Am 7. Oktober 1949 wurde die DDR gegründet. 75 Jahre später kommt nun das spannend-kritisch-heitere Buch, mit enthüllenden Informationen aus dem Alltag und der Wirtschaft, ans Tageslicht.
Appetizer zur Wahl 2025
Ein Mensch
– ein ganz besonders guter,
möcht‘ endlich auch einmal ans Ruder,
denn die bis jetzt den Kurs bestimmen,
zählt er zu den besonders Schlimmen:
„Sie nennen sich des Volkes Vertreter
und sind nichts weiter als Verräter
der einst verkündeten Ideen.
Von Gleichheit, Freiheit, Schutz der Rechte
ist heute nicht mehr viel zu seh’n.
Bei ihren intensiv geführten Fehden
geht’s meist um Posten und Diäten!
Privat sind sie sich spinnefeind;
Mammon und Macht sie fest vereint!“
Der gute Mensch denkt folgerichtig:
So darf das nicht weiter geh’n,
die Sache ist mir viel zu wichtig,
hier muss endlich was gescheh’n!
Gedacht, gesagt
und frisch gewagt
verkündet er bei seinesgleichen:
,,Hört mal!
Die Bösen müssen schnellstens weichen!
Sie richten oft nur Schaden an;
ich glaub‘, ich wär‘ der richt’ge Mann
den Laden gründlich aufzuräumen,
lasst uns jetzt handeln
und nicht säumen!“
Doch als er in die Runde schaut,
sieht er: Nicht jeder ist davon erbaut!
Opposition hat auch ihr Gutes;
man kann sehr oft und frohen Mutes
den „Unsinn“ Anderer beklagen
ohne Verantwortung zu tragen!
Der Angriff wird nach Diskussion beschlossen
und anschließend sogleich begossen.
Es bleibt jedoch im Raume stehn:
Wie konnt‘ es eigentlich gescheh’n,
dass so ein krasser Außenseiter
sich macht sofort zum Spitzenreiter?
„Weshalb denn ausgerechnet du?“,
fragt ein bis dato guter Freund,
der aufgebracht ganz plötzlich meint:
„Denkt mal, wieviel Verantwortung ich trage
und mich so gut wie nie beklage.
Eigentlich wär‘ ich längst dran!
Nehmt mich, ich bin der bess’re Mann!“
Ein Dritter, der den Streit gehört,
ist darüber sofort empört:
,,Ich bin wie ihr, doch auch ein ,Guter‘
und war sogar schon mal am Ruder.
Zwei Jahre war ich an der Spitze
des Löschvereins ,Die schnelle Spritze‘!
Ich besitze die Erfahrung,
die euch in diesem Falle fehlt!
Das gäbe dann die richt‘ ge Paarung
,gut und Erfahrung‘ ist’s, was zählt!“
Da meldet sich der Erstbewerber –
und seine Worte klingen herber:
,,Denk‘ mal zurück, mein lieber Bruder,
Du warst nicht immer nur ein Guter!
Wir haben schließlich nicht vergessen:
Du hast schon zweimal eingesessen!
,Die schnelle Spritze‘ warf dich raus,
weil du gelebt in Saus und Braus –
und zwar auf Kosten ihrer Kasse,
du bist nicht reif, hast keine Klasse.
Du kommst auf keinen Fall infrage,
wir kämen in fatale Lage!
Schon heute mir die Ohren klingen,
von dem, was uns’re Gegner singen:
Die Brände löschtet ihr mit Bier!
Das wissen schließlich nicht nur wir;
es ist bekannt im ganzen Land,
wo es angeblich hat gebrannt.
Es waren eure durst’gen Kehlen,
das lässt sich leider nicht verhehlen.“
Der „Brände-Löscher“ ist empört,
als er nach einer Weile röhrt:
,,Infame Lüge, sag ich nur;
Wir pflegten Brauchtum und Kultur –
besonders den Gemeinschaftssinn –
anders als hier, wo ich jetzt bin.
Und eines will ich dir noch sagen,
das liegt mir lange schon im Magen:
Du prahlst damit ganz ungeniert,
was alles du – und wo – studiert …
doch prüft man das etwas genauer,
ist man alsbald erheblich schlauer!
Hast hier und da mal reingerochen
und als es ernst ward, abgebrochen!
Du bist mehr Schein als echte Blüte,
beschimpfst oft Andere recht rüde,
hast eine Weste voller Flecken
und würdest Wähler nur verschrecken!“
So stritten sie bis in die Nacht –
es ging ja schließlich um die Macht.
Man fand, was bisher blieb verborgen,
und das bereitet große Sorgen!
Was alles da zutage kam:
Der war zu hitzig, die zu lahm …
Der Andere hat abgeschrieben!
Und die?-hat heimlich abgetrieben!
Der Paul hat damals doch gelogen!
Da schlugen nochmals hoch die Wogen,
weil Paul den Vorwurf laut bestritt:
,,Ich mache künftig nicht mehr mit!
Bisher hat jeder mir gehuldigt,
auf einmal werd‘ ich so beschuldigt.
Das find ich wirklich hundsgemein,
macht euren Kram ab jetzt allein!“
Ihm folgten später weit’re drei,
so blieben schließlich nur noch zwei.
Das kam den Beiden sehr gelegen,
nur für’n Moment war’n sie verlegen.
Dann sagte jener „von der Spritze“:
,,Ich hab’s!
Wir sind ab jetzt ,ne Doppelspitze!
Doppelspitzen sind in Mode,
ob Grüne, Schwarze oder Rote,
da liegen wir total im Trend!
Und wenn es wirklich einmal brennt,
dann zeigst du mir, wo es entlang geht,
und ich sag‘ dir, wo’s beste Bier steht!“
Nun gut,
wir wollen ’s nicht übertreiben;
doch etwas soll schon hängen bleiben!
Denn was man so im Wahlkampf hörte,
den braven Bürger sehr empörte!
Ilm hat man schnell am Hammelbein,
wenn er verwechselt „Dein“ und „Mein“.
Doch ist man „oben“ angekommen,
wird das nicht mehr so ernst genommen.
Ein Plagiat? – kann schließlich jedem mal passieren!
Warum soll das mich genieren?
Schuld war die Vergesslichkeit –
dagegen niemand ist gefeit …
und außerdem:
Ich hab‘ besonders schön bereut –
wovor manch Anderer sich scheut.
Bei mir und anderen Genossen
sogar echte Tränen flossen!
Noch mehr kann man doch nicht tun,
d’rum: Lasst die Sache endlich ruh’n!
So sprach der „Edle“ ohne Hast,
der kleine Mann wär‘ längst geschasst!
Und die Moral von der Geschicht‘?
Es gab sie nicht! Es gibt sie nicht!
Deshalb sagt Brände-Löscher ,Schnelle Spritze‘,
erprobter Teil der ,Doppelspitze‘:
,,Wer jetzt noch zu uns stoßen will,
der prüfe gründlich, möglichst still,
ob er sich hat von ,ihr‘ befreit,
ansonsten sind wir nicht bereit
ihn künftig bei uns aufzunehmen,
wir wollen uns nicht seiner schämen!
Ein Typ – belastet mit Moral –
gilt in der Politik schnell als ,fatal‘ …
Wir brauchen Menschen ohne Skrupel,
denn nur mit ihnen rollt der Rubel
flir sie, flir uns, flir alle Welt,
denn es regiert nun mal das Geld!
Diese Erkenntnis tut oft weh,
doch sie besaß schon J. W. v. G. !
So schrieb schon Weimars weiser Dichter –
und scheute nicht die vielen ,Richter‘ –
,,Geld ist des Menschen zweites Blut.“*
Wir bleiben aber trotzdem (überwiegend) gut!
Im Original lautet der Satz: ,,Das Geld ist das zweite Blut des Menschen.“ Und im ,,Faust“: ,,Am Golde hängt, zum Golde drängt doch alles.“
Manche Ereignisse werfen ihre Schatten hinterher.
Sowohl der DDR-kritische Roman „Reklamation“ – der dank Gorbatschows Glasnost-Politik im „Wendejahr“ 1989, in Weimar den letzten Literaturpreis der DDR erhielt – als auch das Hörbuch und E-Book „Eddis Traum“/“Lok ohne Feuer“, sind das Ergebnis der strikten Befolgung einer ärztlich verordneten Spezial-Therapie und des konspirativ-kooperativen Verhaltens eines ZK-Mitgliedes der SED. (In Personalunion stellvertretender Vorsitzender des DDR-Schriftstellerverbandes.)
Aber abgesehen von diesen, schier unglaublich-kuriosen „Begleitumständen“ des Entstehens der genannten Bücher, werden Sie beim Hören und Lesen der Texte feststellen, dass auch in diesem Fall als Kriterium für die literarische Qualität gilt:
Geschrieben in seinem unverwechselbaren Stil:
gelingt es dem Autor in ergreifend geschilderten Episoden, nachhallenden Ereignissen, Begegnungen …
das Entstehen, Wachsen und Vergehen des Moskau-Ostberliner-Sozialismusmodells anhand seiner persönlichen Entwicklung … bildhaft-lebendig, eindringlich vor unserem geistigen Auge entstehen zu lassen.
Die Hörerinnen und Hörer respektive Leserinnen und Leser, werden auf diese Weise in die Lage versetzt, unter einem neuen Blickwinkel, gewissermaßen als „Selbstbetroffene“ … , diesen, für uns und unsere Kinder so eminent wichtigen Abschnitt jüngerer Geschichte zu betrachten – und gegebenenfalls – neu zu bewerten.
(Der Verlust bisheriger Vorurteile, Vorbehalte ist wünschenswert und eingeplant!)
Das Buch „Eddis Traum – Lok ohne Feuer“ von Harald Schleuter ist durch den einzigartigen Schreibstil des Autors schon ein Genuss beim Lesen, der das Buch erst nach dem letzten Satz weglegen lässt. So erging es mir. Aber vordergründig fesselt das Thema, das vor allem oder gerade für mich als „Bürgerin-West“, wissend, dass ich es von einem Zeitzeugen , der aus erster Hand erzählt, aufklärt. Was ich aus der Zeit vom Mauerbau bis zum Zeitpunkt der Maueröffnung weiß, die Bilder, die ich sah, machten größtenteils meine Meinung aus über das, was „drüben“ geschah.
Harald Schleuter beschreibt im in Reimform geschriebenen Prolog das Ende der DDR und fordert den Leser auf zu lesen und sich zu informieren, was nach dem Prolog nicht schwerfällt. Er macht schon hier Lust auf mehr.
Im narrativen Stil geschriebenen Buch, dessen Handlung durch eine Vielzahl von Adjektiven die Erzählfiguren und Situationen nahezu lebendig erscheinen lässt, beschreibt der Autor seine eigene Geschichte, beginnend als junger, vom System begeisterter Erwachsener bis hin zum Kritiker an demselben. Spannend und teilweise auch traurig ist es zu lesen, wenn von den persönlichen Schicksalen die Rede ist. Auf alle Fälle ist es ein aufklärerisches Buch einer Lebensgeschichte in einem politischen System, das mir als Leserin aus einem „alten Bundesland“ an vielen Stellen die Augen öffnet.
Als eBook und Hörbuch erhältlich.
Ich war Mitinhaber des Patentes Nr. 33890: „Verfahren zur Herstellung chemisch stabilisierten Dibromäthans“ (gelöscht 1965) und bin außerdem Inhaber des letzten, von der „Noch-DDR“ im DNT Weimar 1989 verliehenen Literaturpreises für den Roman „Reklamation“.
Ich war der Organisator des ersten, im RGW – Raum (COMECON) gebauten Gefahrgut – Spezialkesselwagens für Bromtransporte (meine „Bromotion“ mit anschließender Invalidisierung) und bin Autor, der im Rahmen des Jan-Prochazka-Preisausschreibens 1993, Recklinghausen, ausgezeichneten Erzählung „Der Pfirsichhund“ (3. Platz).
Ich war 10 Jahre Berater des Staatlichen Außenhandels der DDR anlässlich von Exportverhandlungen in Südamerika und 16 Jahre Leiter der AG „Schreibende Senioren“ der Stadt Erfurt (Ehrenamtlich) Ich bin im Besitz der GVS b 5 – 1155/89 – Geheime Verschlußsache (alte Schreibweise) G. Schürer an E. Krenz (27.10.1989)
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